Elektrik als Brandursache: vorbeugen durch Prüfung
In der Brandursachenstatistik des Instituts für Schadenverhütung und Schadenforschung (IFS) steht Elektrizität mit 30 % der untersuchten Brände an erster Stelle. Viele elektrische Brände beginnen an Stellen, die bei einer Prüfung auffallen können: gequetschte Leitungen, verschmorte Stecker, lose Klemmen, defekte Geräte. Die Prüfung nach DGUV Vorschrift 3 deckt Geräte und Anlage ab, Thermografie und die VdS-Prüfung für den Feuerversicherer ergänzen sie.
Das Wichtigste in Kürze
- Elektrizität ist laut IFS mit 30 % die häufigste ermittelte Brandursache (Untersuchungen 2016 bis 2025, vor allem Brände mit erheblichen Gebäudeschäden). Repräsentativ für alle Brände ist die Statistik nicht.
- Gut die Hälfte der elektrischen Brände geht von Geräten aus, rund ein Viertel von der Installation. Vorn liegen Kühl- und Gefriergeräte, Wäschetrockner und Mehrfachsteckdosen. Der Anteil der Lithium-Ionen-Akkus steigt.
- Die Prüfung nach DGUV Vorschrift 3 findet vor allem sichtbare und messbare Schäden. Richtwerte: ortsveränderliche Geräte 6 Monate, Anlage 4 Jahre. Die verbindliche Frist legst du in der Gefährdungsbeurteilung fest.
- Lose Kontakte in Verteilern werden oft erst unter Last heiß. Das zeigt die Thermografie. Nach DGUV V3 ist sie keine Pflicht, die VdS empfiehlt sie jährlich.
- Enthält dein Feuerversicherungsvertrag die Klausel SK 3602, kommt eine Prüfung durch einen VdS-anerkannten Sachverständigen hinzu. Diese ersetzt die DGUV-V3-Prüfung nicht.
Was die Brandursachenstatistik zeigt
Das IFS ist ein Institut der öffentlichen Versicherer mit Sitz in Kiel und ermittelt jedes Jahr die Ursache von rund 2.000 Bränden. Die Ursachenstatistik 2025 wertet die Untersuchungen der Jahre 2016 bis 2025 aus:
| Brandursache | Anteil 2016 bis 2025 |
|---|---|
| Elektrizität | 30 % |
| Menschliches Fehlverhalten | 22 % |
| Überhitzung | 9 % |
| Brandstiftung | 9 % |
| Feuergefährliche Arbeiten | 3 % |
| Selbstentzündung | 2 % |
| Offenes Feuer | 2 % |
| Explosion | 2 % |
| Sonstiges und unbekannt | 21 % |
Zwei Einschränkungen gehören dazu. Das IFS untersucht im Wesentlichen Brände mit erheblichen Schäden in und an Gebäuden, und welche Fälle es bekommt, bestimmen die Auftraggeber. Die Statistik bildet laut IFS deshalb nicht das gesamte Schadengeschehen ab. Die Zahlen gelten zudem für alle untersuchten Gebäude, nicht nur für Betriebe.
Wie sich die elektrischen Brände aufteilen, hat das IFS für die Jahre 2002 bis 2021 ausgewertet (schadenprisma 2/2023). In diesem Zeitraum gingen rund 33 % der untersuchten Brände auf Elektrizität zurück. Innerhalb dieser Gruppe entfielen im Mittel rund 53 % auf elektrische Geräte, mit fallender Tendenz, und rund 26 % auf die Elektroinstallation, mit steigender Tendenz. Bei der Installation betrafen im Mittel 48 % der Fälle Leitungen und Steckdosen. Unter den Geräten führen laut IFS aktuell Kühl- und Gefriergeräte vor Wäschetrocknern, auf Platz drei folgen Verlängerungs- und Mehrfachsteckdosen. Lithium-Ionen-Akkus haben in dieser Gruppe nach Angaben des IFS von Juli 2025 inzwischen einen Anteil von über 20 %.
Typische elektrische Brandursachen
Viele elektrische Brände folgen demselben Muster: An einer Stelle entsteht mehr Wärme, als abgeführt wird, bis Isolierung, Staub oder Material in der Nähe zündet. An beschädigten Isolierungen können laut IFS Lichtbögen mit Temperaturen über 4.000 °C zünden.
| Ursache | Was passiert | Typische Stellen | Wo es auffällt |
|---|---|---|---|
| Lose oder korrodierte Kontakte | Der Übergangswiderstand steigt, die Kontaktstelle erhitzt sich bei jedem Stromfluss | Klemmen in Verteilern, Sicherungshalter, Steckdosen, Stecker | Besichtigung der Anlage, Thermografie unter Last |
| Beschädigte Isolierung | Gequetschte, geknickte oder gealterte Leitungen führen zu Fehlerströmen und Lichtbögen | Anschlussleitungen hinter Kühlgeräten und Maschinen, Mehrfachsteckdosen, Leitungsroller | Sichtprüfung und Isolationsmessung bei der Geräte- und Anlagenprüfung |
| Überlastung | Leitung oder Steckdosenleiste führen dauerhaft mehr Strom, als sie vertragen | Steckdosenleisten mit mehreren Heizgeräten, aufgerollte Kabeltrommeln | Besichtigung, ob Absicherung und Leitung zusammenpassen; Thermografie |
| Lichtbögen | Seriell an einer losen Verbindung oder parallel zwischen beschädigten Leitern | Klemmstellen, beschädigte Leitungen in Wänden und Möbeln | Fehlerlichtbogen-Schutzeinrichtung (AFDD), Besichtigung |
| Defekte Geräte | Interne Fehler, Wärmestau, zugesetzte Lüftung | Kühl- und Gefriergeräte, Wäschetrockner, Netzteile, Heizgeräte | Geräteprüfung nach DIN EN 50699, Sichtkontrolle vor der Benutzung |
| Lithium-Ionen-Akkus | Beschädigte oder falsch geladene Zellen überhitzen | Akkuwerkzeug, E-Bikes, Laptops, Ladeplätze | Die Prüfung erfasst das Ladegerät, nicht den Zustand der Zellen; hier helfen Regeln fürs Laden und Lagern |
Beispiel Steckdosenleiste: Ein Heizlüfter mit 2.000 W und ein Wasserkocher mit 2.000 W ziehen zusammen rund 17 A (4.000 W ÷ 230 V). Viele Steckdosenleisten tragen den Aufdruck 16 A oder 3.500 W. Die Leiste läuft dann über ihrer Belastbarkeit, und ein vorgeschalteter 16-A-Leitungsschutzschalter löst bei einer so knappen Überlast nicht oder erst nach langer Zeit aus.
Was die Prüfung nach DGUV Vorschrift 3 abdeckt
Die DGUV Vorschrift 3 verpflichtet dich als Unternehmer, elektrische Anlagen und Betriebsmittel vor der ersten Inbetriebnahme, nach Änderung oder Instandsetzung und in bestimmten Zeitabständen prüfen zu lassen (§ 5). Die Fristen sind so zu bemessen, dass entstehende Mängel rechtzeitig festgestellt werden. Einen festgestellten Mangel lässt du unverzüglich beheben; besteht bis dahin eine dringende Gefahr, wird das Gerät oder der Anlagenteil nicht benutzt (§ 3 Abs. 2).
Die DGUV Information 203-071 teilt die technische Prüfung in drei Schritte: Besichtigen, Messen und Erproben. Das Besichtigen kommt immer zuerst, und laut DGUV zeigt die Praxis, dass bereits eine sorgfältige Sichtprüfung den größten Teil der Mängel findet. Gemessen werden unter anderem die Schutzleiterverbindungen und der Isolationswiderstand. Erprobt werden Schutz- und Sicherheitsfunktionen, etwa die Prüftaste des Fehlerstrom-Schutzschalters.
| Prüfung | Was geprüft wird | Brandrelevante Befunde | Richtwert der Frist |
|---|---|---|---|
| Ortsveränderliche Geräte und Leitungen (Wiederholungsprüfung nach DIN EN 50699) | Sichtprüfung, Schutzleiter, Isolationswiderstand, Funktion | Gequetschte oder angeschmorte Leitungen, verschmorte Stecker, beschädigte Gehäuse, defekte Mehrfachsteckdosen | 6 Monate, auf Baustellen 3 Monate; bei einer Fehlerquote unter 2 % höchstens 1 Jahr (Baustelle, Fertigung, Werkstatt) oder 2 Jahre (Büro) |
| Elektrische Anlage und ortsfeste Betriebsmittel (Anlagenprüfung nach DIN VDE 0105-100) | Besichtigen von Verteilern, Leitungen und Steckdosen, Messen, Erproben der Schutzeinrichtungen | Verfärbte oder verschmorte Klemmen, fehlende Abdeckungen, beschädigte Leitungen, Absicherung passt nicht zur Leitung | 4 Jahre; in Räumen besonderer Art (DIN VDE 0100 Gruppe 700) 1 Jahr |
| Fehlerstrom-Schutzschalter in stationären Anlagen | Prüftaste durch den Benutzer | Schalter löst nicht mehr aus | 6 Monate |
Die Grenze der Prüfung: Die Messungen stellen laut DGUV Information 203-071 fest, ob die Schutzmaßnahmen gegen elektrischen Schlag wirksam sind. Der Brandschutz ist nicht ihr erklärtes Ziel, profitiert aber mit, weil beschädigte Isolierung und verschmorte Kontakte beide Gefahren auslösen. Eine lose Klemme, die erst bei voller Last heiß wird, fällt beim Besichtigen nicht immer auf. Als Beispiele für weitergehende Prüfungen nennt die DGUV Information 203-071 im Anhang C unter anderem die Überprüfung auf unzulässige Erwärmung mit Pyrometer oder Wärmebildkamera und die Überprüfung von Brandschottungen, für die ein Sachkundenachweis nötig ist.
Feuergefährdete Betriebsstätten, etwa in der Holzverarbeitung, in Papier- und Textilbetrieben oder in Scheunen, stuft der Betreiber oder Nutzer der Anlage ein, erforderlichenfalls mit einem Sachkundigen (DIN VDE 0100-420, Abschnitt 422.3). Für sie gelten zusätzliche Anforderungen an die Errichtung; als Orientierung für die Einstufung verweist die Norm auf die Richtlinie VdS 2033. Eine eigene Zeile in Tabelle 1A der DGUV Vorschrift 3 gibt es für diese Betriebsstätten nicht. Die Frist legst du in der Gefährdungsbeurteilung fest und berücksichtigst dort das höhere Brandrisiko. Die DKE führt das Festlegen oder Verkürzen von Prüffristen ausdrücklich als organisatorische Maßnahme gegen besondere Risiken durch Fehlerlichtbögen auf. Wie du Fristen herleitest, zeigen die Artikel DGUV V3 Prüffristen und Gefährdungsbeurteilung nach DGUV V3.
Thermografie: was sie findet und wo sie aufhört
Eine Wärmebildkamera misst Oberflächentemperaturen berührungslos, im laufenden Betrieb und ohne Abschaltung der Verbraucher (VdS 2858). Das ist ihr Vorteil gegenüber der klassischen Prüfung: Ein erhöhter Übergangswiderstand wird erst warm, wenn Strom fließt. Die VdS-Broschüre zeigt als Beispiele für Fehlerstellen Kontaktfehler, defekte Schraubverbindungen und defekte Steckkontakte.
Typische Einsatzorte laut VdS:
- Nieder-, Mittel- und Hochspannungs-Schaltanlagen, Sicherungskästen
- Schalt- und Steuerschränke
- Transformatoren, Kompensationsanlagen, elektrische Maschinen und Antriebe
- Kabelanlagen und Schienensysteme
Die Grenzen sind ebenso klar. Gemessen wird nur, was offen oder optisch zugänglich ist, dafür müssen gegebenenfalls Abdeckungen ab und Türen auf. Isolationswiderstand und Schutzleiter misst die Kamera nicht. Laut VdS kann die Thermografie die wiederkehrenden Prüfungen nicht ersetzen, vor allem nicht Sichtkontrollen, Funktionsprüfungen und Strommessungen. Die Thermografie ergänzt die Prüfung.
- Pflicht? Nach DGUV Vorschrift 3 nicht. Bei einer Prüfung nach Klausel SK 3602 gehört die Temperaturmessung mit einer Thermografie-Kamera dagegen zum Prüfumfang (VdS 2871).
- Wie oft? Die VdS empfiehlt, neue Anlagen einmal zu untersuchen, um Montagefehler zu finden, und bestehende Anlagen jährlich, möglichst zusammen mit der Wiederholungsprüfung der Anlage. Je nach Betriebsbedingungen kann davon abgewichen werden.
- Wann? Unter realer Last. Leg den Termin in eine Zeit mit normalem Betrieb, nicht in den Betriebsurlaub.
- Durch wen? Die VdS empfiehlt einen VdS-anerkannten Elektro-Thermografen (Anerkennung nach VdS 2859) und die Messung gemeinsam mit der verantwortlichen Elektrofachkraft. Das Verfahren beschreibt DIN 54191:2017-10.
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Fehlerlichtbogen-Schutzeinrichtungen (AFDD)
Ein Fehlerstrom-Schutzschalter reagiert auf Strom, der über einen Fehler zur Erde abfließt. Ein Leitungsschutzschalter reagiert auf Überlast und Kurzschluss. Ein serieller Lichtbogen an einer losen Verbindung erzeugt weder das eine noch das andere: Der Strom fließt auf dem vorgesehenen Weg und steigt nicht. Fehlerlichtbogen-Schutzeinrichtungen, kurz AFDD und oft Brandschutzschalter genannt, erkennen Lichtbögen am typischen Frequenzmuster des Stroms und schalten ab.
Was DIN VDE 0100-420:2022-06, Abschnitt 421.7, nach den Erläuterungen der DKE verlangt:
- Bei der Planung ist für vier Arten von Räumen und Orten eine Risiko- und Sicherheitsbewertung durchzuführen und zu dokumentieren: Räumlichkeiten mit Schlafgelegenheiten, also Räume, die bestimmungsgemäß überwiegend zum Schlafen vorgesehen sind; Räume oder Orte mit besonderem Brandrisiko, also feuergefährdete Betriebsstätten; Räume oder Orte aus Bauteilen mit brennbaren Baustoffen, wenn diese einen geringeren Feuerwiderstand als feuerhemmend haben; Räume oder Orte mit Gefährdungen für unersetzbare Güter, etwa Kirchen, Museen oder Archive.
- Zeigt die Bewertung ein besonderes Risiko, sind geeignete bauliche, anlagentechnische oder organisatorische Maßnahmen vorzusehen. Die AFDD ist eine davon. Andere sind zum Beispiel Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen mit höchstens 300 mA Bemessungsdifferenzstrom, Leitungen im oder unter Putz, eine automatische Brandmeldeanlage oder kürzere Prüffristen.
- Die AFDD sitzt im Endstromkreis, also in dem Stromkreis, der Geräte oder Steckdosen direkt versorgt. Vor mehreren Endstromkreisen schützt sie nicht wirksam. Produktnorm ist DIN EN 62606 (VDE 0665-10).
- Eine generelle Nachrüstpflicht für bestehende Anlagen gibt es nicht. Angepasst wird bei geänderten Betriebsbedingungen, etwa wenn ein Bereich feuergefährdet wird, bei einer Nutzungsänderung und bei Erweiterung oder Änderung der Anlage.
Für die Prüfung gilt: AFDDs überwachen sich selbst, automatisch oder per Taste. Bei der Isolationsmessung kann es nötig sein, sie abzuklemmen, sonst verfälschen sie die Messwerte oder nehmen Schaden. Sag der Prüfperson deshalb vorab, in welchen Stromkreisen AFDDs verbaut sind.
Feuerversicherung: Klausel SK 3602 und VdS-Prüfung
Gewerbliche Feuerversicherungen können die Klausel SK 3602 „Elektrische Anlagen“ vereinbaren. Die Prüfung nach dieser Klausel beruht auf einer Vereinbarung im Versicherungsvertrag und dient dem Sachschutz des Versicherers. Üblich ist eine jährliche Prüfung durch einen VdS-anerkannten Sachverständigen; das Ergebnis hält der Befundschein VdS 2229 fest, den der Feuerversicherer auswertet, und die dort genannten Mängel lässt du beheben. Maßgeblich ist der Wortlaut deines Vertrags, auch bei Kosten und Fristen. Schau in die Klauseln und Sicherheitsvorschriften oder frag den Versicherer.
Wie geprüft wird, regeln die Prüfrichtlinien VdS 2871 (Ausgabe 2020-03):
- Umfang: Besichtigungen, Funktionsprüfungen, Messungen und Ordnungsprüfungen, grundsätzlich am ganzen Risikostandort, soweit der Versicherer nichts anderes vorgibt.
- Thermografie inklusive: Klemmleisten, Sammelschienen, Schütze, NH-Sicherungslasttrenner, Kabelbündel und verdächtig warme Oberflächen werden mit der Wärmebildkamera untersucht. Auffällige Werte kommen als Mangel oder als Empfehlung für eine detaillierte Thermografie in den Befundschein.
- Anknüpfung an DGUV V3: Der Sachverständige kann Messergebnisse aus der DGUV-V3-Prüfung heranziehen, wenn die Protokolle geeignet sind, und kontrolliert sie mit Stichproben. Fehlen Protokolle, misst er selbst. In der Ordnungsprüfung lässt er sich nachweisen, dass die ortsfeste Anlage nach DGUV V3 regelmäßig geprüft wird, und vermerkt, ob ortsveränderliche Geräte laut Betreiber regelmäßig geprüft werden.
- Ergebnis: Der Befundschein bewertet den Gesamtzustand in vier Stufen, von „Anlage in gutem Zustand“ bis „Anlage in schlechtem Zustand“, und listet jeden Mangel mit Gefahr und empfohlener Maßnahme.
- Kein Ersatz: Die Prüfung nach SK 3602 entbindet nicht von Prüfpflichten aus anderen Normen, Regelwerken oder Gesetzen. Den Blitzschutz nach DIN EN 62305-3 prüft sie nicht.
Praktisch heißt das: Geeignete, aktuelle DGUV-V3-Protokolle ersparen dem VdS-Sachverständigen eigene Messungen. Leg die VdS-Prüfung deshalb zeitlich hinter die DGUV-V3-Prüfung der Anlage.
Rechtsfolgen, sachlich: Die Klausel ist eine vertragliche Obliegenheit. Sieht der Vertrag für ihre Verletzung Leistungsfreiheit vor, gilt § 28 VVG: Bei Vorsatz ist der Versicherer leistungsfrei, bei grober Fahrlässigkeit kann er die Leistung nach der Schwere des Verschuldens kürzen. Dass keine grobe Fahrlässigkeit vorlag, muss der Versicherungsnehmer beweisen. Der Versicherer bleibt zur Leistung verpflichtet, soweit die Verletzung weder für den Eintritt oder die Feststellung des Versicherungsfalls noch für den Umfang der Leistung ursächlich war, außer bei Arglist. Wer einen Brand grob fahrlässig herbeiführt, muss nach § 81 VVG ebenfalls mit einer Kürzung nach der Schwere des Verschuldens rechnen. Einen automatischen Wegfall des Versicherungsschutzes gibt es nicht.
Werden Beschäftigte verletzt, leistet die gesetzliche Unfallversicherung. Für den Personenschaden haftest du ihnen grundsätzlich nur, wenn du den Versicherungsfall vorsätzlich oder auf einem versicherten Weg herbeigeführt hast (§ 104 SGB VII). Hast du ihn vorsätzlich oder grob fahrlässig herbeigeführt, können die Sozialversicherungsträger ihre Aufwendungen bis zur Höhe des zivilrechtlichen Schadenersatzanspruchs von dir zurückfordern (§ 110 SGB VII). Ob grobe Fahrlässigkeit vorliegt, entscheidet sich am Einzelfall.
Checkliste: Brandvorsorge an der Elektrik
- Geräte erfassen und Fristen festlegen. Führe ein Verzeichnis der ortsveränderlichen Geräte, Leitungen und Mehrfachsteckdosen und trag die Frist aus deiner Gefährdungsbeurteilung ein.
- Die Anlage nicht vergessen. Verteiler, feste Leitungen und Steckdosen sind nach dem Richtwert alle 4 Jahre dran, Räume besonderer Art jedes Jahr. Lass Geräte und Anlage möglichst an einem Termin prüfen.
- Prüftaste drücken. Fehlerstrom-Schutzschalter in stationären Anlagen alle 6 Monate, in nichtstationären Anlagen arbeitstäglich, jeweils durch den Benutzer.
- Vor jeder Benutzung hinschauen. Arbeitsmittel werden vor der Verwendung auf offensichtliche Mängel kontrolliert (§ 4 Abs. 5 BetrSichV): geknickte Leitungen, verfärbte Stecker, lose Steckdosen, Brandgeruch.
- Leitungen schützen. Das IFS rät, Anschlussleitungen beim Aufstellen von Geräten nicht zu knicken, einzuklemmen oder zu quetschen. Schau vor allem hinter Kühlgeräte und unter Möbel.
- Steckdosenleisten entlasten. Mehrere Heizgeräte nicht an eine Leiste, Leisten nicht hintereinanderstecken, Kabeltrommeln unter Last ganz abrollen.
- Akkus kontrolliert laden. Nur Ladegeräte verwenden, die der Hersteller für den Akku oder das Gerät vorsieht. Das IFS rät außerdem, Akkus nicht komplett unbeaufsichtigt zu laden, weil in drei von vier Fällen der Brand in der Ladephase entsteht. Mehr dazu unter Lithium-Ionen-Akkus lagern und laden.
- Verteiler frei halten. Nichts Brennbares an Verteilern und Schaltschränken lagern, Türen geschlossen halten.
- Versicherungsvertrag lesen. Steht die Klausel SK 3602 oder eine Thermografie-Auflage darin, plane diese Termine hinter die DGUV-V3-Prüfung.
- Mängel abarbeiten und ablegen. Mängel aus dem Prüfbericht unverzüglich beheben lassen (§ 3 Abs. 2 DGUV Vorschrift 3). Prüfergebnisse mindestens bis zur nächsten Prüfung aufbewahren (§ 14 Abs. 7 BetrSichV).
Was den Preis der Geräteprüfung bestimmt
Angebote für die Prüfung nach DGUV Vorschrift 3 sind meist je Gerät kalkuliert, getrennt nach Geräteart, dazu kommt in der Regel eine Pauschale für An- und Abfahrt je Prüftag. Wie hoch ein Angebot ausfällt, hängt vor allem von diesen Punkten ab:
- Anzahl und Art der Geräte: Ortsveränderliche Geräte, Drehstromgeräte und -leitungen sowie ortsfeste Betriebsmittel werden unterschiedlich aufwendig geprüft und meist getrennt berechnet. Ein aktuelles Geräteverzeichnis macht das Angebot genauer.
- Anteil ortsfester Betriebsmittel: Fest angeschlossene Maschinen und Anlagenteile brauchen mehr Zeit je Prüfling als Steckergeräte.
- Standorte und Anfahrt: Jeder zusätzliche Standort bedeutet eine weitere Anfahrt und Rüstzeit.
- Zugänglichkeit und Zeitfenster: Prüfungen im laufenden Betrieb, außerhalb der Arbeitszeit oder mit Abschaltungen brauchen mehr Zeit als frei zugängliche Geräte zu einem festen Termin.
- Umfang der Dokumentation: Einzelprotokolle je Gerät, Prüfplaketten, ein gepflegtes Geräteverzeichnis und eine Mängelliste gehören dazu oder werden gesondert ausgewiesen.
- Mängelbehebung: Ob der Tausch eines Steckers oder einer Leitung im Angebot enthalten ist oder nach Aufwand abgerechnet wird, steht im Angebot.
- Bündelung: Geräteprüfung, Anlagenprüfung und Thermografie an einem Termin sparen Anfahrten und Rüstzeit.
Anlagenprüfung, Thermografie und VdS-Prüfung gehören nicht automatisch zu einem Angebot für die Geräteprüfung. Frag sie gezielt an, denn nicht jeder Prüfbetrieb bietet alles an, und die VdS-Prüfung setzt einen VdS-anerkannten Sachverständigen voraus. Angebote unterscheiden sich in Aufbau und Höhe deutlich; über eChecko kannst du mehrere Angebote von Prüfbetrieben aus deiner Region vergleichen: Angebote vergleichen. Wie ein Angebot aufgebaut ist und was es enthalten sollte, erklärt der Artikel DGUV V3 Kosten.
Häufige Fragen
Ist Elektrizität wirklich die häufigste Brandursache?
In der Statistik des IFS ja: 30 % der untersuchten Brände von 2016 bis 2025, vor menschlichem Fehlverhalten mit 22 %. Das IFS untersucht vor allem größere Gebäudeschäden, und die Auftraggeber bestimmen, welche Fälle es bekommt. Für alle Brände in Deutschland ist die Zahl deshalb nicht repräsentativ.
Findet die DGUV-V3-Prüfung lose Klemmen im Verteiler?
Oft, aber nicht sicher. Beim Besichtigen fallen verfärbte, verschmorte oder lockere Klemmen auf. Ein Kontakt, der nur unter voller Last heiß wird, zeigt sich zuverlässiger im Wärmebild. Thermografie und VdS-Prüfung ergänzen die DGUV-V3-Prüfung deshalb, ersetzen sie aber nicht.
Muss ich Brandschutzschalter nachrüsten?
Eine generelle Nachrüstpflicht gibt es nicht. Wird die Anlage erweitert oder geändert, ändert sich die Nutzung eines Raums oder wird ein Bereich feuergefährdet, gelten für die betroffenen Teile die aktuellen Errichtungsnormen. Geht es um einen der vier Raumtypen aus Abschnitt 421.7, gehört dann die Risiko- und Sicherheitsbewertung nach DIN VDE 0100-420 dazu, und die AFDD ist eine mögliche Maßnahme.
Ersetzt die VdS-Prüfung nach SK 3602 die DGUV-V3-Prüfung?
Nein. Die VdS-Prüfung dient dem Sachschutz des Versicherers und entbindet laut VdS 2871 nicht von anderen Prüfpflichten. Umgekehrt genügt die DGUV-V3-Prüfung nicht, wenn dein Vertrag eine Prüfung durch einen VdS-anerkannten Sachverständigen verlangt. Der Sachverständige kann aber geeignete Messergebnisse aus der DGUV-V3-Prüfung nutzen.
Wer darf prüfen?
Die DGUV-V3-Prüfung führt eine Elektrofachkraft durch oder eine Person unter ihrer Leitung und Aufsicht. Ortsveränderliche Geräte darf mit geeigneten Mess- und Prüfgeräten auch eine elektrotechnisch unterwiesene Person prüfen. Die Prüfung nach Klausel SK 3602 macht ein VdS-anerkannter Sachverständiger. Die Unterschiede der Qualifikationen erklärt der Artikel Elektrofachkraft und befähigte Person.
Quellen
- IFS: Ursachenstatistik Brandschäden 2025 (Erhebungszeitraum 2016 bis 2025)
- IFS: Brandursachenstatistik 2025 (PDF)
- IFS: Wodurch Brände entstehen (21.07.2025)
- IFS: Das steigende Brandrisiko – Akkubrände in der Ladephase (02.04.2024)
- IFS: Sicherheitshinweise für Lithium-Ionen-Akkus
- schadenprisma 2/2023: Elektrische Brandursachen im Wandel der Zeit (IFS-Auswertung 2002 bis 2021)
- DGUV Vorschrift 3 „Elektrische Anlagen und Betriebsmittel“ (DGUV Publikationen)
- DGUV Vorschrift 3, § 3 Grundsätze (BG BAU)
- DGUV Vorschrift 3, § 5 Prüfungen mit Tabellen 1A und 1B (BG BAU)
- DGUV Information 203-071 „Wiederkehrende Prüfungen elektrischer Anlagen und Betriebsmittel“, Januar 2020 (PDF)
- § 3 BetrSichV: Gefährdungsbeurteilung, Prüffristen
- § 4 BetrSichV: Kontrolle vor der Verwendung
- § 14 BetrSichV: Prüfung von Arbeitsmitteln, Aufzeichnungen
- VdS 2858:2017-11 „Thermografie in elektrischen Anlagen“ (VdS Schadenverhütung)
- VdS 2871:2020-03 „Prüfrichtlinien nach Klausel SK 3602“ (VdS Schadenverhütung)
- DIN: Übersicht der gültigen Normen und technischen Regeln zur Thermografie, Stand Januar 2023 (PDF)
- WEKA: VdS-Prüfung von elektrischen Anlagen (19.01.2026)
- DKE: FAQ-Liste zur DIN VDE 0100-420 (VDE 0100-420):2022-06
- DKE: Erläuterungen zu DIN VDE 0100-420:2022-06, Abschnitt 421.7 (PDF)
- elektrofachkraft.de: Feuergefährdete Betriebsstätten gemäß DIN VDE 0100-420 und VdS 2033
- § 28 VVG: Verletzung einer vertraglichen Obliegenheit
- § 81 VVG: Herbeiführung des Versicherungsfalles
- § 104 SGB VII: Beschränkung der Haftung der Unternehmer
- § 110 SGB VII: Haftung gegenüber den Sozialversicherungsträgern